Wortlaut der Freitagspredigt vom 07.07.2017 (Bruder Adnan Nakdali)

Alles Lob gehört Allah, dem Erhabenen. Allahs Segen und Frieden seien auf Seinem Gesandten Muhammad, auf seine Familienbande und Gefährten.

Liebe Geschwister,

die 49. Sure des Korans heißt „Al- Hugurat“. Sie ist eine medinensische Sure. Wie bekannt ist, ging es in den Suren, die in Mekka offenbart wurden darum, die Bestandteile des muslimischen Glaubens den neuen Muslimen detailliert zu beschreiben und auch darum den Muschrikin zu verdeutlichen, dass ihre Götzendienerei falsch ist.

Die Suren, die in Medina offenbart wurden haben einen anderen Charakter. In ihnen geht es eher um die Formung der neuen Gesellschaft, die nun entstand. Die meisten Bestimmungen und Gebote wurden in Medina offenbart.

Diese Sure behandelt viele Verhaltensanweisungen, an die sich ein frommer Muslim halten soll, um eine gesunde positive Gesellschaft zu bilden, die die Lehren des Islams an die gesamte Menschheit verkündet.

Menschen, die kürzlich noch ein anderes Leben führten und zwischen denen Krieg und Zwietracht herrschte sollten langsam neu erzogen werden, um den Groll, der sich in ihren Herzen im Laufe der Jahre verfestigte zu beseitigen und durch positive Werte zu ersetzen.

Wir werden heute über eine bestimmte Ayah dieser Sure sprechen. Diese Ayah kommt nach zwei Ayat, die die innerislamische Beziehung erläutert, speziell wenn sich zwei Parteien in einem Konflikt befinden.

Man soll zwischen den beiden Parteien vermitteln und Frieden stiften. Wenn sich eine der Parteien klar ungerecht verhält gegenüber der anderen und den Aufforderungen der Friedensstifter nicht folgt, soll man sie bekämpfen, bis sie zu Allahs Befehl zurückkehren.

Dann sagt Allah, dass die Gläubigen Brüder sind, zwischen denen man vermitteln soll.

Um diese Geschwisterlichkeit zu gewährleisten folgen in den nächsten Ayat Anweisungen, die die Gesellschaft vor jeglicher Art von Zwietracht schützen soll. Wir werden heute einen dieser Ayat behandeln:

In dem Vers heißt es:

((O die ihr glaubt, die einen sollen nicht über die anderen spotten, vielleicht sind eben diese besser als sie. Auch sollen nicht Frauen über andere Frauen (spotten), vielleicht sind eben diese besser als sie. Und beleidigt euch nicht gegenseitig durch Gesten und bewerft euch nicht gegenseitig mit (hässlichen) Beinamen. Wie schlimm ist die Bezeichnung “Frevel” nach (der Bezeichnung) “Glaube”! Und wer nicht bereut, das sind die Ungerechten. (11)))

Allah ruft die Gläubigen mit diesem angenehmen und einfühlsamen Ruf auf. Ein Ruf, der den Muslim ehrt.

Ibn Masoud (r) sagte: „Wenn du das Wort Allahs ((O die ihr glaubt…)) hörst, so höre genau zu. Denn es ist etwas Gutes, was dir befohlen wird. Oder etwas Schlechtes, was dir verboten wird.“

(((…) die einen sollen nicht über die anderen spotten, (..))) Ein Verbot, das sich eine Gruppe von Menschen über andere lustig macht. Die Verspottung anderer hat eine sehr negative Wirkung auf die Gesellschaft. In erster Linie deutet es auf die Überheblichkeit des Verspotters hin. Er geht davon aus, dass sein Gegenüber minderwertiger ist und schreibt sich zu besser zu sein.

Der Gesandte Allahs hat vor der Überheblichkeit gewarnt indem er dem Eingebildeten den Eintritt ins Paradies verwehrte.

Der Maßstab bei Allah ist ein ganz anderer. Allah schaut nicht auf das Äußere eines Menschen. Wichtig ist das Innere. Wie aufrichtig ist dieser Mensch und wie rein ist seine Seele. Also seid gewarnt davor über andere zu spotten, denn:

((vielleicht sind eben diese besser als sie.)) Was lässt dich wissen, wer besser ist?

Dann erwähnt Allah eine andere große Gruppe innerhalb der Gesellschaft speziell: Die Frauen…

((Auch sollen nicht Frauen über andere Frauen (spotten), vielleicht sind eben diese besser als sie.))

Der Grund weswegen Allah die Frauen speziell erwähnt ist in erster Linie, um auf die Gefahr dieses schlimmen Vergehens aufmerksam zu machen. Es wird eine Gesellschaft geformt, in der die Frau genauso wie der Mann eine wichtige Rolle spielt. So sollen sich alle Gruppen der Gesellschaft an dieses Verbot halten, Männer und Frauen.

Dann ist es kein Geheimnis, dass die üble Nachrede und Verspottung der anderen in Frauenkreisen oftmals mehr vorkommt als in Männerkreisen. Daher bedurfte es der speziellen Anweisung.

((Und beleidigt euch nicht gegenseitig durch Gesten und bewerft euch nicht gegenseitig mit (hässlichen) Beinamen.))

Allah verbietet es, dass sich die Menschen gegenseitig beleidigen bzw. wenn man es wörtlich nimmt „sich selbst zu beleidigen.“ Denn Jemand, der seinen Mitmenschen beleidigt, muss mit einer Antwort rechnen. Somit ist er der erste Schuldige, dass er beleidigt wurde. In der 104. Sure warnt Allah diejenigen, die gegen andere sticheln und nörgeln. ((Wehe jedem Stichler und Nörgler,)) Wehe ihnen, denn sie bringen Unheil in die Gesellschaft.

Auch verbietet Er die gegenseitige Benennung mit schlechten Beinamen. Es sind vor allem die Namen, die der Genannte nicht gerne hört, die ihn kränken.

All diese Verbote -die Verspottung, die Beleidigung, die gegenseitig Benennung mit schlechten Beinamen- haben eine negative Wirkung auf die Gesellschaft. Besonders wenn es Tugenden sind, die in einer Gesellschaft weitgehend verbreitet sind.

Menschen, die sich diese Eigenschaften zu eigen machen nennt Allah „Frevler“. ((Wie schlimm ist die Bezeichnung “Frevel” nach (der Bezeichnung) “Glaube”!)) Ein Frevler (Fasiq) ist jener, der von der Wahrheit und dem handeln danach abrückt und ungerecht handelt. Und dies widerspricht den Werten, die dieser Glaube vermittelt.

Dann folgt der Aufruf danach, diese Fehler zu bereuen und davon abzulassen:

((Und wer nicht bereut, das sind die Ungerechten. (11)))

Diese Ayah ist ein Zeichen des Wunders dieses Buches, das die Menschen und Gesellschaften dazu erzieht eine positive Atmosphäre zu entwickeln und von den Schändlichkeiten abzulassen. Wenn man an die Zeit denkt, zu der der Koran offenbart wurde erkennt man dieses Wunder umso mehr, denn man weiß, welch schlechte Umstände weltweit herrschten und dass solche Tugenden sehr selten und nur vereinzelt umgesetzt wurden.

 

Liebe Geschwister,

ihr seht, dass eine einzige Ayah uns die Großartigkeit dieser Religion vor Augen führt.

In unserer hiesigen Gesellschaft erkennen wir die Gefahren dieser schlechten Eigenschaften und sehen die verheerenden Folgen täglich. In den Schulen ist dieses Problem weit verbreitet. Kinder werden verspottet und gekränkt. Teilweise tragen sie psychische Krankheiten davon, die ihre schulische Laufbahn negativ beeinflussen.

Die Schulen versuchen dem „Mobbing“ entgegenzuwirken, jedoch bedarf es in erster Linie einer ausgeglichenen und ausgewogenen Erziehung in den Elternhäusern.

Da sind die Eltern gefragt: Erzieht eure Kinder dazu, dass diese schlechten Eigenschaften Allah missfallen. Ein gläubiger Muslim beteiligt sich nicht an der Verspottung anderer.

Hierzu haben wir ein positives Vorbild aus unserer Gemeinde:

In einer Schule wurde eine Schülerin von ihren Mitschülern gehänselt und verspottet und zur Außenseiterin gemacht. Eine muslimische Schülerin, die hier in der Moschee groß geworden ist, hat dies nicht mitmachen wollen und sich auf die Seite dieser „Außenseiterin“ geschlagen. Mit ihrer Hilfe überwand sie diese schwierige Zeit. Die Lehrerin hat dieses vorbildhafte Verhalten an die Stadt weitergegeben, woraufhin die Stadt diese Schülerin ehrte für ihre „Zivilcourage, Solidarität und Opferschutz“.

Dieses Beispiel sollten wir unseren Kindern lehren. Liest mit ihnen die Sure „Al- Hujurat“ jede Woche einmal und erklärt ihnen diese wichtigen wunderbaren Regeln.

Möge Allah unsere Kinder vor allem Übel schützen und sie zu Vorbildern machen. Amin.