Wortlaut der Freitagspredigt vom 05.05.2017 (Bruder Adnan Nakdali)

Gepriesen sei Allah der Erhabene, und Allahs Segen und Frieden seien auf Seinen Propheten Muhammad.

Liebe Geschwister,

der Mensch steht tagtäglich vor Herausforderungen, die ihm speziell andere Menschen stellen. Oftmals sind es Provokationen, mit denen man umgehen muss.

So kann es sein, dass man beleidigt wird oder man wird körperlich angegriffen.

Es gibt auch wohl keinen Menschen, der nicht solchen Situationen regelmäßig ausgesetzt ist. Denn dies ist eine Form der Prüfungen, denen wir uns stellen müssen.

Wie gehe ich mit diesen Provokationen um?

Die Antwort ist grundsätzlich einfach: Indem ich mich zusammenreiße und nicht dazu verleiten lasse dem Unrecht mit solchem zu beantworten…

Uns ist die Geschichte des Gefährten bekannt, der den Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihn- um einen Rat bat. Er antwortete lediglich:  „Sei nicht zornig!“ Als der Gefährte seine Bitte wiederholte blieb seine Antwort: „Sei nicht zornig!“ In einer Überlieferung sagt ein Gefährte: „Ich habe über seine Worte nachtdacht und erkannt, dass jedes Übel auf den Zorn zurückführt.“

Wenn man sich in schwierigen Situationen zusammenreißt, steht einem nichts Geringeres zu, als das Paradies. In einer Überlieferung des Hadithes sagte der Gefährte: „O Gesandter Allahs, nenne mir eine Sache, die mich in Paradies führt…“ Allahs Gesandter -Allahs Segen und Frieden auf ihn- sagte: „Sei nicht zornig und dir steht das Paradies zu.“

Eine klare Aussage vom Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihn-.
Er weiß, wie schwierig es sein kann, auf eine Provokation nicht zu reagieren, besonders wenn man in der Lage ist seinem Zorn freien Lauf zu lassen. Daher sagte er: „Wer seinen Zorn zurückhält, obwohl er diesen hätte rauslassen können, dem füllt Allah sein Herz mit Zufriedenheit am jüngsten Tag…“ 

Was für ein Versprechen. Ein zufriedenes Herz am jüngsten Tag, bedeutet das Paradies. Weil du im Diesseits deinen Zorn zurückgehalten hast für Allah. Du hast auf dein Recht im Diesseits verzichtet, weil du weißt, dass das was dich bei Allah erwartet besser und beständiger ist.

Allah lobt diejenigen, die ihren Zorn zurückhalten in Seinem Buch. Als er die Gottesfürchtigen erwähnt sagt Er: ((die in Freude und Leid ausgeben und ihren Grimm zurückhalten und den Menschen verzeihen. Und Allah liebt die Gutes Tuenden…)) (Al-i-Imran, 3: 134)

Welche Ehre es ist, dass du zu diesen Menschen gehörst.

Denkt immer daran, dass wir nicht ewig auf dieser Welt weilen. Denkt daran, dass es ein Jenseits geben wird, auf das wir hinarbeiten. Jeder von uns begeht Sünden. Denn es gibt nach dem Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihn- keinen Menschen, der Fehlerfrei ist. Die Zurückhaltung des Zorns hat auch zur Folge, dass Sünden, die du begangen hast gelöscht werden.

Nimm dir den ehrenwerten Imam Ali ibn Alhussain ibn Ali ibn Abi Talib als Beispiel. Ali ist der Urenkel des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihn- und er genoss zu seiner Zeit, wie heute, ein hohes Ansehen. Jedoch gab es Menschen, die ihn nicht mochten und versuchten ihn zu provozieren, er jedoch schaffte es immer diesen Menschen mit Ruhe und Besonnenheit zu entgegnen:

“Ein Mann beleidigte eines Tages ‘Ali ibn Alḥussain. Er ignorierte ihn, und tat so als ob er ihn nicht hörte. Da sagte ihm der Mann: “Dich meine ich!”
‘Ali antwortete: “Und dich ignoriere ich!””

Lasse dich nicht auf die plumpen Provokationen ein, sondern gehe deinen Weg weiter und lasse davon ab, auf diese Menschen zu reagieren.

Alis Stellung unter den Menschen hätte ihn auch dazu bringen können, jemandem zu befehlen diesen Provokanten zu “beseitigen”, jedoch hat er darauf verzichtet und ihm klargemacht, dass er ihn nicht beachtet.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man alles über sich ergehen lassen muss oder, dass man keinen Zorn empfinden darf, denn Menschen die beleidigt werden und darauf nicht reagieren haben ein schwaches Gewissen. Auch das will der Islam nicht von uns.

Die Frage ist nur, wie gehe ich mit meinem Zorn um? Behalte ich meine Ruhe oder lasse ich mich auf einen Streit ein? Und wenn ich mich darauf einlasse wie weit gehe ich und lasse ich mich dazu bringen unüberlegte Dinge zu tun, aufgrund meines Zorns.

Wir brauchen uns nur umzuschauen und schon erkennen wir, dass viele Menschen gewalttätig werden, weil sie ihren Zorn nicht zähmen konnten, als es notwendig war.

Liebe Geschwister,

uns bleiben nur noch wenige Tage zum Monat Ramadan, möge Allah uns diesen Monat bei bester Gesundheit erreichen lassen um diesen Monat zu fasten und die nächtlichen Gebete zu vollziehen.

Was will Allah in diesem Monat von uns? Warum fasten wir einen Monat lang? Können wir den Monat Ramadan nur auf die Enthaltung vom Essen, Trinken und der Begierde reduzieren?

Mit Sicherheit nicht.

Die Weisheiten, die man im Ramadan erkennt sind viel vielfältiger. Allah begründet die Auferlegung dieser Pflicht mit folgenden Worten: ((O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget.)) (Al- Baqarah, 2:183)

Ziel ist: Die Erlangung der Gottesfurcht.

Wenn der Mensch sich eine neue Eigenschaft aneignen will, so passiert das nicht innerhalb weniger Stunden. Es bedarf einer gewissen kontinuierlichen Einarbeitung, bis man diese Fähigkeit gelernt hat.

So kann man auch die Pflicht des Fastens sehen. Das Fasten schult uns, die besten Charaktereigenschaften zu haben. Es schult uns unsere Begierden zu unterdrücken und nicht darauf zu reagieren, selbst wenn wir gerade hungrig sind oder durstig. Es schult uns auch geduldig zu sein und unseren Zorn zurückzuhalten selbst in schwierigen Situationen.

Allahs Gesandter -Allahs Segen und Frieden auf ihn- sagte: „Wenn einer von euch fastend aufwacht, so soll er es unterlassen Schlechtes zu sagen oder zu tun. Wenn jemand ihn beschimpft oder bekämpft, so soll er sagen: ‚Ich faste, ich faste!‘“ (Al- Bukhari)

Du wirst geschult, dich mit den wesentlichen Dingen deines Lebens zu beschäftigen und dir deine Prioritäten zu setzen. Deine Priorität ist es den Tag zu Ende zu fasten und die Zufriedenheit Allahs zu erlangen. Daher gehst du diesen Problemen aus dem Weg.

Ramadan, meine verehrten Geschwister, ist eine Gelegenheit uns zu ändern, unseren Charakter zu verbessern und uns auf ein Niveau zu bringen, das Allah von uns erwartet.

Leider ist sehr oft das Gegenteil der Fall. Im Ramadan ist man angespannter, genervter und lässt sich kein Wort sagen ohne darauf giftig zu reagieren. Wenn man nach dem Grund fragt, heißt es oft es läge am Fasten, man habe einen Nikotin- oder einen Koffeinmangel.

Bereite dich vor auf diesen Monat indem du jetzt schon lernst dich zusammenzureißen und nicht auf die Provokationen der anderen zu reagieren.

Abschließend noch eine kurze Geschichte von Ali ibn Alhussain:

„Eines Tags ließ ein Bediensteter (Leibeigener) von Ali ibn Alhussain ein schweres Eisenwerkzeug fallen. Es traf den Sohn von Ali, der auf der Stelle starb. Ali ibn Alhussain ging schnell auf ihn zu. Als er ihn jedoch sah, sagte er: ‚Du hast das nicht beabsichtigt. Du bist ein freier Mann.‘ Danach kümmerte er sich um die Beerdigung seines Jungen.“

Kaum zu glauben und schwierig nachzuvollziehen, jedoch ist dies ein vorbildhaftes Verhalten, das man sich aneignen sollte. Allah ist derjenige, der darüber entscheidet wer wann und wie stirbt.

Sicherlich ist es schwierig und ich bitte Allah, dass jedem von uns eine solche Situation erspart bleibt, jedoch ist die Lehre aus der Geschichte, dass man Fehler vergibt und seinen Zorn selbst in schwierigen Situationen kontrolliert.

Möge Allah uns dazu verhelfen unseren Charakter zu stärken. Amin.